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"Zehn Mythen der Krise"

Heiner Flassbeck: Zehn Mythen der Krise

Am 23. Januar ist mein neues Buch erschienen:

„Zehn Mythen der Krise“.

Die Turbulenzen um Banken, Staatsschulden und den Euro verwirren Politiker, Journalisten und Bürger – es hat den Anschein, als sei Hysterie ein Rohstoff der Kasinoökonomie. Dabei sind viele Mythen in Umlauf: Wird Deutschland zum Zahlmeister Europas? Leben wir wirklich über unsere Verhältnisse? Oder hat die Krise ganz andere, komplexere Ursachen? In meinem neuen Buch werfe ich einen anderen und provokanten Blick auf das ökonomische Desaster, das Europa derzeit in Atem hält.

Zum Buch


Der Leistungsbilanzüberschuss und die Rente


Vor einigen Tagen diskutierte ich das Problem der deutschen Leistungsbilanzüberschüsse mit Norbert Walter, dem ehemaligen Chefvolkswirt der Deutschen Bank. Er brachte, wie schon so oft, das Argument vor, die deutschen Überschüsse seien notwendig, weil Deutschland altert und folglich für seine Rente ansparen muss. Das heisst, Deutschland will ansparen und kauft deswegen weniger im Ausland ein, als es dorthin liefert. Deutschland exportiert Kapital und die privaten Haushalte und Unternehmen aus dem Ausland kaufen mehr von Deutschland, als sie selbst dorthin verkaufen, weil Deutschland ihnen einen Kredit gibt. Dieser Kredit, so Walter, sei die Vorsorge für die deutsche Rente des Jahres 2030, weil das Ausland zunächst Zinsen bezahlt und irgendwann auch die Kredite tilgt, deren Gegenwert dann von den deutschen Rentnern verfrühstückt werden kann. Auch in der Bundesregierung ist diese Auffassung hoch im Schwange. ...

Wer einmal irrt ...


In Deutschland haben viele in der Eurokrise von Anfang an darauf gesetzt, mit einer Festlegung auf die Diagnose „Staatsschuldenkrise“ Fakten zu schaffen. Sie haben die Staaten und ihr Haushaltsgebaren von vorneherein als allein für verantwortlich erklärt und bei der Therapie alle anderen Länder auf staatliches Sparen eingeschworen. Andere Diagnosen wurden verworfen und der Beschluss über den Fiskalpakt wurde als endgültiger Sieg über die Krise gefeiert, weil gleichzeitig die Zinsen in den Krisenländern etwas fielen. ...

Die Zukunft der Schulden


Als ich letzte Woche durch das sich im Wahlkampf befindende Saarland fuhr, war ich nicht wenig überrascht ob der entscheidenden Slogans der Parteien. Die CDU macht auf mit der Aussage ihrer Spitzenkandidatin „ Ich will Zukunft ohne Schulden“. Die SPD hält hart dagegen, dass sie für einen neuen Politikstil sei, wohlgemerkt, nicht für eine neue Politik, sondern nur für einen neuen Stil. Offensichtlich haben sich beide Parteien längst auf die Zukunft ohne Schulden geeinigt, was ja auch die explizite Festlegung der saarländischen SPD auf die konsequente Umsetzung der Schuldenbremse nahelegt, die sie als Abwehrargument gegen eine rot-rote Koalition nutzte...

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Statistik und andere Lügen


Deutschland geht es gut! Das ist die wichtigste Nachricht, die unsere Politiker während der ersten Tage des Jahres zu vermelden hatten und die sie auch noch in großen Zeitungsanzeigen unters Volk brachten. Danke Deutschland. Na dann, lehnen wir uns gemütlich zurück und betrachten das wunderbare Werk, das wir zustande gebracht haben...

In der Sackgasse


Man kann sich gut vorstellen, wie es zu Beginn der Eurokrise in deutschen Amtsstuben zuging. Als sich die Zinsen für einige südeuropäische Länder verselbständigten und Griechenland in die Schlagzeilen geriet, haben die Kanzlerin und der damalige Finanzminister Peer Steinbrück ihre Beamten sicher aufgefordert, eine vorläufige Lageanalyse zu erstellen und erste Schlussfolgerungen aufzuschreiben. ....

Geld durch die Hintertür


Dieser Tage ist wieder einmal das interessante Phänomen zu beobachten, wie die Politik sich nicht nur in die eigene Tasche lügen, sondern sich dabei auch noch in den eigenen Fuß schießen kann. Bekanntlich ist die Bundesregierung ja strikt gegen einen direkten Ankauf von Staatspapieren durch die Europäische Notenbank (EZB), weil sie fürchtet, die auf diese Weise finanzierten Länder könnten in den alten Schlendrian verfallen und weiter lustig Schulden machen. Dagegen setzt man auf die „Disziplin der Märkte“, die mit hohen Zinsen den Druck auf die südeuropäischen Regierungen aufrechterhält....